Kaffeekultur in Deutschland: ein kurzer Ritt durch die Kaffeegeschichte

CupCino_Latte-Latte-Art

Kaffeekultur in Deutschland: ein kurzer Ritt durch die Kaffeegeschichte

Mit dem Kaffee in die Neuzeit! Denn mit der Erfindung des Buchdrucks und dem Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit fasste neben allen einschneidenden Entwicklungen auch der Kaffee Fuß. Seine aufmunternde Wirkung passte hervorragend zum Leistungsdenken und zur neuen Wirtschaftlichkeit des Frühkapitalismus. Dies war die Zeit des aufstrebenden Bürgertums. Denn durch die neue Kommunikationsform des gedruckten Wortes entstanden die ersten Grundlagen der heutigen modernen und analytisch orientierten Wissenschaften. Das rationale Denken und das Experiment bestimmten den Gewinn neuer Erkenntnisse und lösten die mythische und spirituelle Welt des Mittelalters und das Bild als Hauptmedium ab. Kopernikus und Galilei trugen ihren Teil zur Entwicklung eines neuen Weltbildes bei und der Kaffee kam durch Reisende aus dem arabischen Raum nach Europa. Bereits im 17.  Jahrhundert entstand ein florierender Handel. Säckeweise landete der Kaffee in den großen Hafenstädten wie London, Amsterdam, Hamburg und Venedig und wurde das begehrte Getränk weltoffenen Reichen.

Kaffeekultur im Barock

Im Zeitalter des Barocks nahm die Bedeutung von Lebendigkeit und Genuss mehr und mehr zu. Kaffee blieb ein beliebtes Getränk, aber aus praktischen Gründen genoss die feine Herrschaft ihren Kaffee lauwarm. Es war schick ihn abgekühlt aus einer Untertasse zu schlürfen, damit der heiße Kaffeedampf nicht die empfindliche Schminke von den Gesichtern wischen konnte. Mittlerweile war der Kaffee auch bei Arbeitern und Bauern angekommen. Ihre Gesichter waren nicht gepudert und bemalt wie die der feinen Herrschaft, dennoch genossen sie ihren Kaffee nicht heiß aus der Tasse, sondern löffelten ihn stattdessen vom Suppenteller. Aber auch ohne Kaffeetassen gehörte das beliebte braune Getränk schon damals zur Gesellschaft. Die Art, wie er genossen wurde, zeigte immer auch gewisse gesellschaftliche Unterschiede.

Wie sieht es heute mit dem Kaffee aus?

Heute bestimmen schick designte Kaffeemaschinen und frisch gerösteter Kaffee am besten direkt vom Barista den modernen Lifestyle rundum den Kaffee. In den Großstädten entstehen derzeit immer mehr und mehr kleine Röstereien, die ihren Kaffee direkt nach eigener Röstung frisch servieren. Fairer Handel und fairer Anbau werden den Kaffeeliebhabern dabei immer wichtiger. Aber auch der Coffee to go ist noch nicht verschwunden. Seine Blüte hatte dieser in den 90er Jahren. Viele eiferten dem Trend amerikanischer Fastfoodketten nach, die als erstes die praktischen to go Becher auf den Markt brachten. Heute hat sich sein praktischer Charakter fest etabliert, auch wenn zunehmendes Umweltbewusstsein zeitweise den Finger erhebt, wird er seinen festen Marktanteil so schnell nicht verlieren – einfach zu praktisch und zu lecker. Dennoch trägt er insgesamt nur 15 Prozent am gesamten Konsums bei.

Wie sieht es in Deutschland mit anderen Kaffeetrends aus?

Die Lust auf Kaffee prescht ungebremst nach vorne. Die meisten Kaffeefans sind bereit, sich den Genuss einiges kosten zu lassen. Ausschlaggebendes Kriterium bei der Wahl des Kaffees ist der Geschmack. Der Preis ordnet sich dabei dem Geschmack unter. Auch „Kaffeekapseltrinker“, die bei Umfragen auf einen Kaffeekilopreis von etwa 70 Euro angesprochen werden, verkünden gelassen: „Ich trinke nicht viel Kaffee, da kann ich mir hin und wieder eine Portion für 70 Cent leisten“. Das Gefühl sich etwas Besonderes zu gönnen überwiegt beim Kaffeegenuss. Bei der privaten Nutzung ist die Kaffeekapselmaschine verbreiteter als der Kaffeevollautomat, doch die teuren Kaffeevollautomaten schlagen dafür die praktischen Kaffeepadmaschinen. Auch hier überzeugt der Geschmack. Unbeirrt die Nummer eins in heimischen Küchen vertritt weiterhin der gute alte Filterkaffee.

Im Café ist Erlebniskultur gefragt

Zum Kaffeetrinken im Café gehört auf jeden Fall ein gewisser Erlebnischarakter. Solange zuhause hauptsächlich Filterkaffee getrunken wird, werden unsere Cafés mit Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato, Caffè Latte, Flat White, Cold brew oder Moccacino genügend Umsatz machen. Der Auswahl sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Mit Flavour, als low-fat oder vegan mit Soja- oder Mandelmilch alles ist möglich. Da aber mittlerweile auch Tankstellen, Bäckereien, Shop oder Dienstleister mit einen tollen Kaffeekonzept erstklassige Qualität und unendliche Produktvielfalt anbieten können, müssen sich Cafés neue Verkaufsschlager ausdenken.
Daher legen immer mehr Cafés Wert auf einen echten Baristameister hinter dem Tresen. Während der fachmännischen Zubereitung wird zum Fachsimpeln eingeladen. Serviert wird mit Herzchen, Blume oder Blatt in der Crema – Latte Art ist in der sogenannten „Thrid Wave“ der Kaffeetrends. Dem eifern auch viele Kaffeefans nach und üben sich als Barista in den eigenen vier Wänden. Da wird eingestellt, probiert, justiert, bis es nicht mehr geht und bis der perfekte braune Zaubertrank gefunden wurde. Kaffee wird zum Hobby oder sogar zur Passion.

Wo geht es hin mit dem Kaffee?

Doch immer wenn eine Leidenschaft derart auf die Spitze getrieben wird, wird gleichzeitig irgendwo zurückgefahren. So propagieren die ersten Snobs die Rückkehr zum Filterkaffee, auch wenn dieser nie wirklich aus den Kaffeeküchen verschwand. Gerade in Berlin, wo die Dichte an Café sehr hoch ist, werden Trends schnell umgesetzt und so gibt es bereits ein Café, wo es nur schwarzen Filterkaffee gibt. Der Keramikfilter aus Tokio oder der heiße Kaffee durch einen Leinensack gequetscht mit abgewogenem Wasser und abgezählten Bohnen. Milch, Zucker, Kinder, Laptops behindern den Kaffeegenuss, genauso wie Rauchen und der Gang zum Klo. Aber ist das die Kaffeekultur der Zukunft? Hoffentlich nicht. Das wäre einfach zu viel Faschismus um die Kaffeetasse.

[Quellen: faz.net; zoom.zdf.de; kaffeeverband.de]